Deutschland. Alice-Schwarzer-Land. Diese berühmt berüchtigte Feministin, die auch Gewalt gegen Männer für gerechtfertigt hält. Als 1994 Loren Bobbitt in den USA ihrem schlafenden Ehemann den Penis abtrennte, kommentierte sie das so: „Sie hat ihren Mann entwaffnet. (…) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (…) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich.“

Was würde diese Dame dann wohl erst über Brasilien sagen? Ein Land, in dem der Macho quasi erfunden wurde. Ein Land, in dem zwar eine Frau die Präsidentin stellt, aber in dem dennoch eine Frau fast nichts zu sagen hat. Ein Land, in dem häusliche Gewalt gegen Frauen das wohl meist begangene Verbrechen ist. Ein Land, in dem eine Frau – nach meinen Beobachtungen – lediglich vier Aufgaben zu erfüllen hat: hübsch aussehen, kochen, putzen und als Sexobjekt dienen.

Während 2013 in Deutschland 7408 Fälle von Vergewaltigungen bekannt wurden (1 Fall pro 10.8k Einwohner), waren es im gleichen Jahr in Brasilien 50.617 Fälle (1 Fall pro 4k Einwohner). Dunkelziffer natürlich unbekannt.
Ich bin wahrlich kein Feminist und habe wohl auch etwas Macho in mir, aber was ich hier bisher gesehen habe, war durchaus etwas verstörend. Einen kurzen Blick zu riskieren, wenn ein attraktiver Mensch vorbeiläuft, stellt für mich überhaupt kein Problem dar. Wenn allerdings Frauen und Mädchen regelmäßig von einigen Männern auf der Straße angestarrt werden, als ob diese ihnen die Kleidung vom Leibe reißen wollten, dann geht das zu weit. Frauen, die in der Öffentlichkeit begrabscht werden, Frauen mit grünen und blauen Gesichtern, Frauen die von ihrem Partner öffentlich bedrängt werden – ich habe alles schon live miterlebt. Ein schauerndes Gefühl, wenn man nachts die Nachbarin am Boden liegend, weinend wimmern hört, ihr Partner möge sie doch „bitte bitte gehen lassen“.

Man kann nun also leicht den Eindruck gewinnen, dass Frauen als eine Art Besitz angesehen werden. Nicht ganz verkehrt, auch nicht wenn man einen Blick ins brasilianische Nachtleben riskiert. Paare zum Beispiel sind extrem leicht zu identifizieren, da der Mann quasi ununterbrochen, die ganze Nacht seine Partnerin von hinten umarmt. Ob an der Bar, auf der Tanzfläche oder beim Rauchen. Mal mit meinem anderen zu tanzen? Unmöglich. Klingt romantisch, ist es aber nicht. Vor allem nicht, wenn man beobachten kann, dass die Frau sich am liebsten aus dieser Umklammerung lösen würde, es aber nicht kann oder sich einfach nicht traut. Die Frau, der Besitz, wird also deklariert und gleichzeitig wird das Revier markiert. Andere Männer unerwünscht.

Brasilien und der Sex
Frauen an der Copacabana – Bikinis fallen hier eher traditionell knapp aus

Natürlich ist dies alles nicht ständig und überall so, doch konnte ich es auffallend oft beobachten und so steht es auch symptomatisch für die in meinen Augen entwürdigende Stellung der Frau in Brasilien. Nicht zu vergessen ist auch die rasende Eifersucht brasilianischer Männer. Spricht die Freundin einen fremden, eventuell ausländisch aussehenden Mann an, um mit ihm zu flirten oder auch nur um mit ihm zu sprechen, haben das nicht selten einige Angesprochene mit dem Leben bezahlt. Viele Locals haben mich bereits unabhängig voneinander extremst eindringlich davor gewarnt. Nun, das ist die eine Seite, die kriminelle Seite, die Seite des absolut nicht vorhandenen Respekts.


Die andere Seite betrifft das Kochen und Putzen. Einer kocht, der andere spült ab – selbstverständlich in Deutschland. Hier kocht die Frau und natürlich, hier spült die Frau auch ab. Als ich in Salvador war, kochte mein Host, eine 20-jährige junge Frau, ständig für mich und es hat mich einige Tage gekostet bis ich ihr beibringen konnte, dass der Abwasch dann meine Aufgabe sei. Sie kannte es schlicht und einfach nicht. Ein Mann in der Küche? Unvorstellbar. Auch als ich Weihnachten in Rio verbracht habe, war es nicht anders. Die ganze Großfamilie kam zusammen und fünf Frauen haben zehn Stunden lang gekocht. Zehn Stunden! Währenddessen haben wir Männer im Garten Basketball gespielt und Bier getrunken. Nicht sonderlich erwähnenswert, dass die gleichen Frauen, die zehn Stunden gekocht und gebacken hatten, auch nochmal ein bis zwei Stunden alles abräumten und abspülten. Klar, es war super angenehm für mich, der pure Luxus quasi, und doch war es unfair in meinen Augen.


Und dann ist da natürlich noch dieses extreme Beispiel. Eine Ausnahme vielleicht und doch real. Die Freundin, die mit mir gemeinsam überfallen wurde, wurde wie damals bereits erwähnt schon einmal vergewaltigt. Mit 19 Jahren. Als Jungfrau. Auf ihrem ersten Tinder-Date.

Mit 19 Jahren noch Jungfrau zu sein, ist in Europa nichts zwingend Außergewöhnliches. Anders stellt sich das allerdings in Brasilien dar. Hier werden Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren sexuell aktiv. Nun, ich kann es auch nicht erklären, aber diese Freundin war ihrem Peiniger hinterher auch noch dankbar für die Vergewaltigung, da sie „viel zu lange Jungfrau geblieben war“. Deshalb hat sie sich dann auch nochmal weitere vier Wochen von diesem Kerl missbrauchen lassen. Aus Dankbarkeit also?! Dies entbehrt jeder menschlichen Logik und zeigt auf der anderen Seite doch auch das Selbstverständnis von zu mindestens einigen Frauen in Brasilien. Dass der männliche Polizist, der damals übrigens die Überfall-Anzeige schrieb, die aufgenommenen persönlichen Daten dazu missbrauchte, um ihr andauernd anzügliche Nachrichten zu schicken, überrascht dann nicht mehr sonderlich.
Der Mann ist alles, kann alles, darf alles. Der Mann ist Tier. Und die Frau hat sich schlicht und einfach anzupassen und zu unterwerfen.
Alles in allem eine verquere, mittelalterliche Denkweise. Hochgradig sexistisch, genau genommen. Ein Gentleman, der auch mal die Tür aufhält? Fehlanzeige. Stattdessen bekommen Frauen in Rio de Janeiro eigene Wagons in der U-Bahn während der Rush-Hour zugewiesen. Eintritt für Männer verboten. Grabschen fällt im Gedränge eben noch leichter.


Nochmals: diese Denkweise betrifft längst nicht alle brasilianischen Männer, es gibt auch sehr viele Gegenbeispiele. Von reinen Beobachtungen ausgehend, alle über einen Kamm zu scheren, wäre schlicht falsch. Nur fallen die negativen Verhaltensweisen zu sehr auf, als dass man sie ignorieren und als Zufall abstempeln könnte. Auch in Gesprächen mit Locals wurden mir meine Einschätzungen bisher immer bestätigt.
Woran liegt es also? Am heißblütigen, südamerikanischen Temperament kann es kaum liegen, gehen doch Temperament und Respekt wunderbar einher. Liegt es dann vielleicht an der auffallend reizenden Art wie Frauen sich hier kleiden? Sicherlich ist es nicht gerade förderlich in solch einer Gesellschaft High Heels, Hotpants und ein Top zu tragen, dass weit weniger Stoff als ein BH besitzt. Nur wäre es eine dreiste Verdrehung der Tatsachen, die Schuld nun beim weiblichen Geschlecht zu suchen. Soll sich doch jeder so kleiden wie er will. Im Endeffekt läuft es, wie übrigens bei fast allen anderen brasilianischen Problemen, immer auf das Gleiche hinaus. Bildung. Ob man nun das Frauenbild, die Armut, die Kriminalität oder die Korruption nimmt. All dem liegt die Bildung zugrunde. Hier liegt momentan aber nur die fehlende Bildung zugrunde. Solange ein respektvolles und gleichstellendes Frauenbild in Brasilien nicht gegeben ist und solange übrigens auch die englische Sprache nicht zur Grundausbildung eines jeden gehört, solange wird die brasilianische Gesellschaft auch keine Chance haben, Teil der modernen und weltoffenen Gesellschaft der westlichen Welt zu sein.

Sollten sich die Geschlechterrollen hier eines Tages aber ändern, dann wird jedoch ganz gewiss Frauenfreude aufkommen. Und das ganz ohne abgetrennte Penisse. Alice Schwarzer jedoch, wird das wohl kaum mehr miterleben.

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