Der Strand vor meiner Haustür in salvador da Bahia
Der Strand von Itapua – dem Viertel wo ich zur Zeit wohne

Angekommen im Hafen von Salvador da Bahia, traf ich erstmal auf eine Menge schwer bewaffneter Militärpolizisten. Jedoch war zu mindestens einer von ihnen extrem nett und hilfsbereit. Da ich den Fehler gemacht hatte, ohne Bargeld anzukommen, brauchte ich nun ein Taxi, dass Kreditkarten akzeptieren würden. Besagter Militärpolizist sprach perfektes Englisch und diskutierte lange und ausführlich mit verschiedenen Taxifahrern um mir am Ende mitzuteilen, dass ich keinem von ihnen trauen könnte. Nach zehn Minuten jedoch fanden wir einen Taxifahrer, der mich zu einer Bank und dann zum Treffpunkt mit meinem Host fahren würde. An der Bank angekommen, sprang ich raus, hob das Geld ab und als ich wieder rauskam, war der Taxifahrer blöderweise abgehauen. Natürlich mit meinem Rucksack im Kofferraum. Keine 30 Minuten in Brasilien und da stand ich bei 35 Grad Celsius mitten in einem Chaos voller Menschen und Autos in einem heruntergekommenen Viertel in einer Stadt, die wie aus einer anderen Welt wirkte. Und das Gepäck war bereits gestohlen. Ein scheiß Gefühl…das ungefähr fünf Minuten andauerte. Dann kam besagtes Taxi um die Ecke gebogen. Er hätte nur eine Runde gedreht, meinte der Fahrer und fragte „Tudo bem?“. Ja sicherlich, war natürlich alles super :/

Eine kleine Bucht auf der Ilha dos Frades.
Eine kleine Bucht auf der Ilha dos Frades.

Die nächsten Tage verbrachte ich an Lagunen, auf Inseln, an Stränden und in verschiedenen Vierteln von Salvador und Dias d’Avila, einer kleinen Stadt zwei Busstunden nördlich von Salvador. Generell ist das Leben natürlich wesentlich chaotischer als man es aus Deutschland oder Europa kennt. Das Vorurteil, dass Brasilianer nie pünktlich sind, ist absolut richtig. Bei bisherigen Treffpunkten, waren wir mit zwei Stunden Verspätung immer noch die ersten, die aufgetaucht sind. Es ist aber auch quasi unmöglich pünktlich zu sein. Im Prinzip wird hier alles mit öffentlichen Bussen erledigt. Da es keine Fahrpläne gibt, wartet man an der Bushaltestelle einfach auf gut Glück. Teilweise bis zu einer Stunde, bis mal ein Bus auftaucht. Und egal wo wir bisher hingefahren sind, der Bus hat immer mindestens eine Stunde gebraucht. Hier lernt man wirklich was Geduld ist!
Das Stadtbild ist extrem heruntergekommen. Nicht nur, dass Häuser halb verfallen und verschimmeln, auch Bürgersteige und Straßen sind teilweise auf einmal nicht mehr vorhanden und von Müll gepflastert.

Die Umweltverschmutzung hier ist erschreckend - diese Scherben sammelte ich auf einem nur 20 Meter langen Strandabschnitt.
Die Umweltverschmutzung hier ist erschreckend – diese Scherben sammelte ich auf einem nur 20 Meter langen Strandabschnitt.

Dementsprechend sind die meisten Gerüche, die ich bisher abbekommen habe von Feuer oder Kloake geprägt. Das Bussystem ist mir selbst nach über einer Woche in Salvador in keinster Weise vertraut. Busstationen sind als solche praktisch nicht identifizierbar. Manchmal gibt es überhaupt keinen ersichtlichen Hinweis und einmal habe ich sogar eine Busstation bestehend aus vier Holzstöcken und einigen darüber gespannten Lumpen gesehen. Auch wohin die Busse fahren, ist nicht immer direkt ersichtlich. Teilweise wird die Endstation auch mit Kreide auf die Windschutzscheibe gekritzelt. Busfahren selbst steht einer Achterbahnfahrt in keinster Weise nach. Es kommt immer wieder mal vor, dass man von seinem Sitz regelrecht abhebt und relativ unsanft wieder landet. Auch meine Unterkunft ist recht einfach gehalten: es gibt nur einen Wasserhahn mit heißem Wasser, Einrichtung ist kaum vorhanden und auch Fenster gibt es hier nicht. Zwar gibt es dafür die Aussparungen, aber anstelle des Fensterglases gibt es lediglich Fensterläden und Holzbretter. Ist bezüglich das Lärms tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig, da mein Zimmer zur Straße zeigt und ich ab 5:30 Uhr morgens im unregelmäßigem Rhythmus das Gefühl habe, dass ein alter brasilianischer Bus direkt an meinem Kopfkissen vorbeidonnert. Ohrstöpsel lösen aber auch dieses Problem.

Meine aktuelle Unterkunft. Hinter dem vernagelten Garagentor befindet sich ein kleines Apartment.
Meine aktuelle Unterkunft. Hinter dem vernagelten Garagentor befindet sich ein kleines Apartment.

Dafür ist um die Ecke eine wunderschöne Lagune gelegen. Wie ein kleines Stück Paradies mit weißem Sandstrand mitten in einem Viertel voller Probleme und Müll. Doch hier trügt der Schein, denn wirklich baden kann man wegen Treibsand und Unterwasserschlingpflanzen nicht und auch die Mücken sind recht aggressiv.

Die Abaete Lagune, direkt vor meiner Haustür.
Die Abaete Lagune, direkt vor meiner Haustür.
Der weiße Sandstrand der Lagune ist fast immer menschenleer!
Der weiße Sandstrand der Lagune ist fast immer menschenleer!

Auffallend ist zudem, dass es hier eine hohe Anzahl stark verwirrter Menschen gibt, die unter massivem Drogen und Alkoholeinfluss stehen. Zu erkennen ist dies meist an lautem Herumbrüllen, unvorhersehbaren Bewegungen, lauten Streits mit sich selbst und dem Belästigen von Fremden aller Art. Im Allgemeinen ist Salvador eine sehr laute Stadt. Hier hört jeder Musik, als ob er keine Nachbarn hätte, in viele Autos sind Soundanlagen eingebaut, die dich beim Vorbeifahren in eine Disko versetzen und auch in Clubs an sich ist die Musik wesentlich lauter als in Europa. Meiner Meinung nach ist das aber nur Ausdruck der Lebensfreude der Brasilianer. Trotz aller oben genannten Probleme, sind fast alle Menschen, die ich hier bisher kennenlernen durfte, extrem fröhliche Menschen, die unglaublich viel lachen. Die Gastfreundschaft, die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen hier sind unübertroffen! Obwohl die Menschen hier viel weniger haben, als die meisten Menschen in Deutschland (ich wohne bei Leuten aus dem Mittelstand und das Niveau liegt klar unter Hartz4-Niveau), geben sie wesentlich mehr. Dass es natürlich auch Gegenbeispiele gibt, liegt auf der Hand. Es gibt bestimmt sicherere Orte auf der Welt und als „Gringo“ wird man hier auch besonders oft kritisch beäugt. Auch wenn ich etwas an einem kleinen Stand kaufen möchte wie Kokoswasser oder einen kleinen Snack, erledigen das immer meine einheimischen Freunde für mich. Würde ich es selbst kaufen, würde ich den bis um 300% teureren Gringopreis bezahlen. Doch sobald ich näheren Kontakt mit Locals hatte, waren alle unfassbar nett. An der Lebenseinstellung der Brasilianer können sich viele ein Beispiel nehmen! Mit so viel weniger, so viel glücklicher zu sein als viele in meiner Heimat, das ist bewundernswert! Es wird einfach unglaublich viel gelacht, getanzt und gesungen in Salvador. Für mich war die Umstellung nach dem Luxus auf dem Kreuzfahrtschiff besonders extrem, aber ich fühle mich hier sehr wohl. Kann gut sein, dass ich noch länger bleibe. Denn nach zwei Tagen bei meinem Couchsurfer-Host, hat sie mich schon für Weihnachten mit ihrer Familie eingeladen…

One thought on “Erste Eindrücke aus Salvador da Bahia

  1. Parallelen am anderen Ende der Welt: ein Kommentar aus Thailand

    Hier sieht man am einen Ende einen Tempel bestückten Garten, gepflegt und geschmückt vom Allerfeinsten. Betrachtet man den Fluss, der nur wenige Meter daneben vorbei fließt, dreht sich einem der Magen um. Das Wasser hat eine pechschwarze Farbe und auf dem übel riechenden Sirup treiben Mülltüten vor sich hin. Viele weitere Beispiele zeigen Parallelen zur Umweltverschmutzung auf.
    Auch das Busfahren hier gleicht deiner Beschreibung- es gibt keine Fahrpläne und man braucht schon etwas Glück um einen (richtigen) zu erwischen!

    Das Verhalten der Leute hier ist allerdings etwas anders. Man wird von vornherein zuvorkommend behandelt. Oft natürlich, damit man dem Einheimischen etwas abkauft. Andererseits ist es hier sehr schwer hinter die Kulissen zu blicken. Jeder „liebt“ den König und kritische Kommentare konnte ich bisher noch nicht erleben. Man trifft viele Backpacker, doch Kontakt mit Einheimischen ist eher begrenzt möglich. Genieß die Gastfreundschaft und Lebensfreude der Brasilianer 😉

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