Torres del Paine – Das Highlight Patagoniens

Torres del Paine ist der berühmteste Nationalpark in Patagonien und das auch zu Recht. Auf der chilenischen Seite gelegen, bietet dieser Nationalpark die wohl spektakulärsten Aussichten und Eindrücke. Obwohl Torres del Paine natürlich sehr touristisch ausgelegt ist, darf dieser Park auf keiner Patagonienreise fehlen.
Die beste Zeit für eine Reise nach Torres del Paine ist zwischen Oktober und März, da in diesem Zeitraum die Witterungsbedingungen am geeignetsten sind. Es gibt im Allgemeinen zwei verschiedene Möglichkeiten Torres del Paine zu entdecken. Die eine Wanderung dauert ca. 5 Tage und wird das „W“ gennant, die Alternativroute hingegen nennt sich „O“ oder der „Circuit“ und dauert ca. 10 Tage. Hier läuft man eben einmal im Kreis, wohingegen das „W“ nur ein Teilstück des Circuit darstellt. Es sei gleich erwähnt, dass man keine eigene Ausrüstung mitbringen muss, denn es ist möglich, sich ganz bequem und relativ günstig Ausrüstung für Torres del Paine auszuleihen.

Da ich „nur“ das „W“ gemacht habe, kann ich wenig zum Circuit erzählen. Gehört habe ich allerdings, dass dieser sehr anspruchsvoll, mitunter gefährlich und in keinster Weise alleine zu wandern sei. Deswegen sei dieser nur erfahrenen Wanderern zu empfehlen. Das „W“ hingegen kann auch von unerfahrenen Wanderern bewältigt werden, wobei dieses auch durchaus relativ anspruchsvoll ist. Daher sollte man diese Route nicht unterschätzen. Vor allem nicht, wenn man keine Erfahrungen mit mehrtägigen Wanderungen mit Vollgepäck (großer Rucksack mit Verpflegung und Ausrüstung für mehrere Tage) hat.
Im Folgenden habe ich kurz einige Punkte zur Planung von Torres del Paine wie Route, Verpflegung, Ausrüstung und Kosten zusammengefasst:

 

Anfahrt:

Um nach Torres del Paine zu gelangen, muss man zwingend in den kleinen Ort Puerto Natales, von wo alle Busse in den Nationalpark fahren. Nach Puerto Natales kommt man nur mit dem Bus.

Am einfachsten ist es wohl, entweder nach El Calafate oder nach Puntas Arenas zu fliegen. Von El Calafate aus wird die ca. 5 stündige Busfahrt nach Puerto Natales ein bis zweimal täglich angeboten. Von Puntas Arenas dauert die Fahrt ca. 3 Stunden.
Sobald man in Puerto Natales angelangt ist, kann man sich ein Busticket für die Fahrt nach Torres del Paine buchen, was auch in den meisten Hostels selbst möglich ist. Als Hostel in Puerto Natales kann ich übrigens das Hostel „Last Hope“ nur wärmstens empfehlen. Dies war mit Abstand das beste Hostel in dem ich je gewesen bin. Für den Bus nach Torres del Paine gibt es auch die Möglichkeit sich ein Rückfahrtticket mit offenem Datum zu kaufen. Sehr zu empfehlen, da man somit die absolute Flexibilität im Park besitzt.

Seen in Torres del Paine

Aussicht über die Lagunen- und Seenlandschaft.

Der „W“ Rundweg

Das „W“ kann man entweder in vier, fünf oder sechs Tagen bewerkstelligen. Je länger man braucht, desto mehr Zeit kann man sich natürlich für die Natur und die Ausblicke nehmen. Je schneller man ist, desto anstrengender wird natürlich auch die Wanderung. Einige wenige Verrückte habe ich getroffen, die es in drei Tagen gemacht haben. Das würde ich aber nicht empfehlen, da so im Prinzip gar keine Zeit für die berauschenden Momente bleibt, die Torres del Paine zu bieten hat. Da ich das „W“ in vier Tagen gemacht habe, also nun die Beschreibung für die 4-Tages Wanderung.

Es gibt generell zwei verschiedene Möglichkeiten das „W“ zu starten. Entweder im Osten, beim Hotel „Las Torres“ oder im Westen am Campingplatz „Paine Grande“. Ich würde definitiv empfehlen im Westen zu starten, da im Osten zu Beginn gleich ein derart monströser und langer Anstieg wartet, wie man in sonst nirgendwo im „W“ findet. Nicht zu vergessen, dass der Rucksack am Anfang aufgrund der ganzen Verpflegung auch noch einiges schwerer ist!

Im Westen gestartet, wird dieser Anstieg dann natürlich am letzten Tag zum Abstieg, da das „W“ nun andersherum gelaufen wird. Das ist garantiert viel angenehmer!

Es gibt auf dieser Route zwei kostenlose Camps, das Camp „Italiano“ und das Camp „Torres“. Allerdings bieten diese bis auf Toiletten keine Sanitäranlagen. Zudem muss vorher reserviert werden und es ist natürlich immer alles ausreserviert. Wie man trotzdem auf diese Plätze kommt, habe ich bei „Geheimen Tipps“ ganz unten aufgeschrieben.

 

Tag 1: Puerto Natales – Camping Paine Grande – Aussichtspunkt „Grey Glacier“ – Camping Paine Grande (11km)

Mit dem Bus sind wir von Puerto Natales nach Torres del Paine gefahren und an der Haltestelle „Guarderia Pudeto“ ausgestiegen. Von dort mit dem Boot zum Campingplatz Paine Grande. Das Boot fährt dort um 12 Uhr mittags ab und Tickets kauft man auf dem Schiff selbst. Am Campingplatz selbst haben wir zuerst unser Zelt aufgestellt und sind dann mit dem kleinen Rucksack zum ersten Aussichtspunkt des Grey Gletschers gelaufen. Der zweite Aussichtspunkt im Refugio Grey kann bei ausreichender Zeit auch noch angesteuert werden. Danach ging‘s zurück ins Camp zum Abendessen.Camping Patagonien

Der Campingplatz „Paine Grande“ bei Sonnenuntergang.

 

Tag 2: Camping Paine Grande – Valle des Frances – Camping Los Cuernos (20,5km)

Zuerst ging’s mit Vollgepäck zum Camp „Italiano“, wo wir unsere großen Rucksäcke abstellen konnten und mit den kleinen zum Aussichtspunkt des Valle des Frances weiter gezogen sind. Danach zurück zum Camp „Italiano“ und mit Vollgepäck weiter zum Camp „Los Cuernos“, der zugleich als schönster Campingplatz im Torres del Paine gilt.

Ausrüstung leihen Patagonien
Eine der vielen spektakulären Felsformationen.

Tag 3: Camping Los Cuernos – Camping Torres (21km)

Definitiv der härteste Tag. Nicht unbedingt wegen der Distanz, sondern wegen dem Gelände. Teils sehr intensive An- und Abstiege gepaart mit einem langen Stück durch eine glühend heiße Steppenlandschaft. Aber wir wollten es unbedingt bis zum Camp „Torres“ schaffen, um am nächsten Tag in der Lage zu sein, die Torres Felsen bei Sonnenaufgang bewundern zu können.

Torres Sonnenaufgang
Die Torres Felsen kurz nach Tagesanbruch und bei eisiger Kälte.

Tag 4: Camping „Torres“ – Torres Felsen – Hotel „Las Torres“ (17km)

Der Wecker ging um 03:30 Uhr und um 04:00 Uhr sind wir losgezogen um den Sonnenaufgang oben am Torres Felsen erleben zu können. Ein teils sehr anspruchsvoller und manchmal auch gefährlicher Aufstieg in völliger Finsternis. Nichts für schwache Nerven. Nur mit etwas Proviant, Wasser, Schlafsäcken und Taschenlampen ausgerüstet sind wir 1,5 Stunden den Berg hoch. Oben wartet man dann in Schlafsäcke gepackt (die braucht man, denn es ist dort oben verdammt kalt und windig) darauf, dass die Sonne aufgeht und die Torres Felsen in ihr gelb-oranges, warmes Licht taucht. Das lohnt sich auf jeden Fall. Danach zurück ins Camp, Vollgepäck aufgesetzt und dann zurück zum Hotel „Las Torres“, von wo einen der Bus wieder zurück nach Puerto Natales bringt.

Torres del Paine Wanderung
Mit Vollgepäck vor der Durchquerung eines Tales.

Unterkunft:

Es gibt zwei verschiedene Arten im Torres del Paine zu nächtigen. Entweder man schläft im Zelt oder in sogenannten Refugios. Der Vorteil eines Zeltes ist es, dass man wesentlich flexibler und günstiger unterwegs ist. Refugios hingegen sind kleine Hütten mit Bett und Flatscreen TV. Diese kosten zwischen 50 und 80 Euro die Nacht und müssen im Voraus reserviert werden. Zudem gibt es nicht an jedem Campingplatz auch Refugios, weshalb die Route dann nicht ganz so flexibel gestaltet werden kann.

 

Verpflegung:

Verpflegung würde ich generell schon vor der Ankunft in Puerto Natales besorgen, da dort alles etwas teurer ist. Aber Vorsicht: Obst, Gemüse, Fleisch und Käse dürfen nicht nach Chile eingeführt werden. Also entweder gut verstecken oder diese Dinge erst in Puerto Natales besorgen.
Generell braucht man auf dieser mehrtägigen Wanderung extrem viel Kohlenhydrate. Da aber auch jedes Gramm selbst getragen werden muss, lief es bei uns im Endeffekt auf Folgendes hinauf.
Pro Tag und Person haben wir kalkuliert:

  • Frühstück: drei Sandwiches mit Salami oder Käse oder 100 Gramm Reis mit Soße, eine Tasse Tee
  • Mittagessen: 200-250 Gramm Nudeln
  • Abendessen: 200-250 Gramm Nudeln

Für die Nudeln haben wir verschiedenste Tütensoßen und Tütensuppen dabei gehabt.
Dazu diente als Zwischendurchsnack: Sandwiches, Gurken, Karotten, Kekse und Snickers, welche wirklich Gold wert sind.
Gut gehen auch Haferflocken mit getrockneten Früchten zum Frühstück oder Linsen mit Gemüse für einen Eintopf.

Das Wasser im Torres del Paine kann überall aus den Flüssen und Seen bedenkenlos getrunken werden. Torres del Paine bietet sogar weltweit eine der besten Wasserqualitäten! Das heißt, es muss kein Wasser für mehrere Tage mitgenommen werden. Seine Flasche kann man ca. alle 20 – 40 Minuten an einem Bach wieder auffüllen.
Sollte die Verpflegung ausgehen: in jedem kostenpflichtigen Camp gibt es kleine Kioske, allerdings zu saftigen Preisen.

 

Ausrüstung:

Das Wetter kann sehr schnell umschlagen in Patagonien und dementsprechend sollte man gerüstet sein. Zur absoluten Grundausrüstung gehören:

  • Zelt
  • Schlafsack
  • Isomatte
  • mindestens Trekkingschuhe, besser knöchelhohe Wanderschuhe
  • mindestens ein T-Shirt pro Tag. Wenn man schwitzt und Wind zieht auf, sollte man ein trockenes Shirt zur Hand haben
  • Wasserdichte Softshell Jacke. Extrem wichtig bei dem teils sehr kalten Wind und Regen.
  • Warme Klamotten für die Nacht. Es kann u.U. bis auf 0 Grad gehen.
  • Kopfbedeckung gegen die Sonne
  • Gaskocher und Gaskartuschen
  • Kochutensilien
  • Essgeschirr und Besteck
  • Sonnencreme
  • Genügend Socken. In nassen Socken läuft man sich schneller Blasen.
  • Grundausrüstung wie: ausreichend Klamotten, Unterwäsche, Handtuch, Sanitärartikel, Kamera, etc.

Es sei erwähnt, dass man für die Wanderung nicht benötigte Sachen, die man sonst aber auf seinem Trip dabei hat, problemlos in jedem Hostel zwischenlagern kann.

Ausrüstung ausleihen für Torres del Paine:

Da die allermeisten natürlich nicht mit Zelt und Schlafsack unterwegs sind, kann man sich auch die komplette Ausrüstung in Puerto Natales ausleihen. Über Gaskocher, Wanderschuhe, Zelte und sogar Regenhosen wird dort alles angeboten. Preise siehe unten.

 

Kosten:

  • Bus von El Calafate Airport nach El Calafate Busbahnhof: 120 argentinische Pesos
  • Bus von El Calafate Busbahnhof nach Puerto Natales: 450 argentinische Pesos
  • Bus von Puerto Natales nach Torres del Paine (inkl. Rückfahrt): 12000 chilenische Pesos
  • Eintritt Torres del Paine: 18000 chilenische Pesos
  • Boot von „Guarderia Pudeto“ zum Camp „Grande Paine“: 15000 chilenische Pesos
  • Campingplatz Torres del Paine: 7000 chilenische Pesos pro Nacht und Person

 

Kosten Ausrüstung ausleihen Torres del Paine:

  • Zelt: 4000 chilenische Pesos pro Tag und Person
  • Schlafsack: 2500 chilenische Pesos pro Tag und Person
  • Isomatte: 2500 chilenische Pesos pro Tag und Person
  • Gaskocher, Topf, Geschirr und Besteck für zwei Personen: 2000 chilenische Pesos pro Tag
  • Gaskartusche: 3000 chilenische Pesos (zwei Kartuschen für insgesamt zwei Personen für vier Tage sind absolut ausreichend)

 

geliehene Ausrüstung auf der Wanderung
Allein durch die Steppe Patagoniens.

Geheime und nicht so geheime Tipps:

1. Auch wenn die meisten Campingplätze kostenpflichtig sind, besteht die Möglichkeit, sein Zelt einfach aufzuschlagen ohne zu zahlen. Es wird nämlich nicht kontrolliert. Zwar existieren Sanitäranlagen bei den kostenpflichtigen Camps, diese sind für den Preis allerdings unter aller Sau. Ob man das macht, muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

2. Für die kostenlosen Camps muss immer reserviert werden und natürlich: diese sind auf Wochen hinaus ausgebucht. Aber kein Problem: ab 20:00 kann man einfach problemlos sein Zelt aufstellen, es ist nämlich nie voll! Versucht man es vor 20:00 Uhr kann es allerdings passieren, dass man ohne Reservierung wieder rausfliegt. Generell würde ich die Ranger meiden, wo es nur geht.

3. Nicht das Wasser aus dem See am Camp „Los Cuernos“ trinken. Obwohl der Park überall und ständig an alle Besucher appelliert, sich umweltfreundlich zu verhalten, wird im Camp „Los Cuernos“ im Wald abseits von allen Gästen, die komplette Campingplatz-Kloake inklusive Chemikalien in den See geleitet.

4. Um sich für Torres del Paine Ausrüstung auszuleihen, kann man verschiedene Stores in Puerto Natales ansteuern. Alle Stores bieten allerdings die gleichen Produkte und Preise. Deshalb ist ewiges Vergleichen der Angebote nicht nötig.

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